Gleitschnee und Lawinen gefährden Bergwald

Bäume machen den Unterschied

Im Lawinenschutzwald sind neben einer hohen Anzahl älterer Bäume vor allem in den Bestandeslücken möglichst viele junge Bäumchen von entscheidender Bedeutung: eine dichte Verjüngung erzeugt eine hohe Bodenrauhigkeit und kann den Schnee wie ein Nagelbrett am Boden fixieren. Lichte Schutzwälder mit vielen Lücken ohne ausreichende Verjüngung bieten dagegen keinen wirksamen Schutz.
Waldlawinen führen zu erheblichen Schäden am Wald, insbesondere werden die jungen Bäume herausgerissen oder abgebrochen. Aus kleinen Gleitschneelücken entwickeln sich im Laufe der Jahre gefährliche Lawinengassen, die dann nur mit teuren Lawinenverbauungen gesichert werden können.

Der Lawinenschutzwald hat die Bewährungsprobe bestanden

Nach ersten Einschätzungen der Fachstelle Schutzwaldmanagement haben die Schutzwälder die Belastungsprobe in den letzten Tagen gut überstanden.
Die Maßnahmen der Schutzwaldsanierung haben sich bewährt, Pflanzungen und Verbauungen haben an den neuralgischen Punkten im Amtsbereich die Lawinengefährdung spürbar verringern können. Besonders wichtige Lawinenschutzwälder im Landkreis Garmisch-Partenkirchen liegen am Ettaler Berg über der Bundesstraße B 23, am Scheinberg oberhalb der Staatsstraße Linderhof–Ammerwald und oberhalb der Bahnlinie und Bundesstraße B 24 Garmisch-Reutte im Bereich des Griesberges.
In diesen Gebieten wurden in den letzten Jahren umfangreiche Pflanzungen vorgenommen, die zum Teil mit Verbauungen gegen Lawinen und Gleitschnee geschützt werden mussten. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen wurden von der Bayerischen Forstverwaltung bisher über sieben Millionen Euro in die Sanierung der Schutzwälder investiert.

Schutzwaldmanagement - Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft Externer Link

Schalenwildverbiss gefährdet Schutzfunktionen

Leider entspricht der Schutzwald noch nicht überall den idealen Anforderungen: Verlichtung, Überalterung und vor allem fehlende Naturverjüngung haben erhebliche Lücken in das Schutzsystem Wald gerissen. Eine der Hauptursachen für den fehlenden Nachwuchs sind nach wie vor die Verbissschäden durch das Schalenwild. Das aktuelle Forstliche Gutachten zeigt, dass vor allem im Bergwald der Verbiss nach wie vor zu hoch ist.

Im Lawinenschutzwald bereitet vor allem der gestiegene Verbiss an der Tanne Sorge. Nach dem extrem heißen Sommer war auch im Schutzwald vielerorts Borkenkäferbefall an der Fichte festzustellen. Auch im Bergwald ist die Fichte die Baumart, die durch die Auswirkungen des Klimawandels am stärksten betroffen ist. Stürme und Borkenkäfer haben im letzten Jahr bereits deutliche Spuren im Bergwald hinterlassen. Gerade im Lawinenschutzwald ist ein hoher Anteil an immergrünen Nadelbäumen zur Erfüllung der Schutzfunktion nötig. Hier ist die Tanne eine unverzichtbare Alternative zur Fichte. Angepasste Wildbestände sind dabei nicht nur für die Tannen eine Grundvoraussetzung.